In addition to Nnimmo Bassey’s opening speech (THU June 16th 19:00) and most of the films there are two more events in English. You’re warmly invited to attend them. Please also tell your English speaking friends.
FRI June 18th 19:00-21:00 Panel Discussion
„Poverty, hunger, inequality, migration, war: climate change makes it all worse. What can we do about it?“
SAT June 19th 15:00-17:00 Talks, Q&A, Discussion
„Cooking Continents: The Climate Crisis and Resistance in Africa and Latin America“
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MITTWOCH 16.6. – ERÖFFNUNG
19:00 Begrüßung und Eröffnungsrede / ENG
Nnimmo Bassey (Chair von Friends of the Earth International)
20:00 Filmpräsentation / Ö-Premiere / ENG
“H2Oil” (US/2009)
21:30 Open Space
Weiterführende Diskussionen, Gespräche, Vernetzung, Movement Building
DONNERSTAG 17.6.
14:00-16:00 Vorträge und Diskussion
„Mit Technologie(n) gegen den Klimawandel? Potentiale, Risiken, Mythen, Kritik“
Mit: Jürgen Suschek-Berger (Stellvertretender Leiter des Interuniversitären Forschungszentrums für Technik, Arbeit und Kultur – IFZ) und Michael Narodoslawsky (TU Graz, Institut für Prozess- und Partikeltechnik, Leiter der Arbeitsgruppe Prozessbewertung)
Vortrag
“Mit Technologie(n) gegen den Klimawandel?”
Jürgen Suschek-Berger (IFZ)
Nur mehr wenige bestreiten, dass wir einem Klimawandel unterliegen und dass wir dagegen Maßnahmen setzen müssen. Viele meinen aber, dass wir – vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien – inzwischen über genug gut ausgereifte (Groß)-Technologien verfügen, oder diese in absehbarer Zeit entwickeln werden, sodass dieser Wandel aufgefangen werden kann. In Projekten wie „Desertec“ oder „Offshore-Windparks“ wird große Hoffnung gesetzt.
Wie können derartige Vorhaben aus sozialwissenschaftlicher Sicht bewertet werden? Welche sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen bringen diese Projekte mit sich? Retten uns die (Groß)-Technologien oder sollten wir uns besser auf dezentrale, verbraucher_innen- und nutzer_innenorientierte Zugänge stützen? Wie steht es um Risken, wer gewinnt und wer verliert?
Viele Fragen – und der Versuch einiger Antworten.
Vortrag
“Der Beitrag biogener Ressourcen zum Klimaschutz”
Michael Narodoslawsky (TU Graz)
Energieträger auf der Basis biogener Ressourcen wie Biomasse, Biogas, Biotreibstoffe sind aus der Sicht des Klimaschutzes stark in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion gerückt. Tatsächlich kann Biomasse nur einen Teil der Energielast der Zukunft schultern. Einige Faktoren gibt es dabei zu berücksichtigen:
-Biogene Rohstoffe sind die Nutzungsform der Sonnenenergie mit dem geringsten Wirkungsgrad. Ihre Vorteile liegen aber in der Speicherfähigkeit.
-Für viele Anwendungen (z.B. Biotreibstoffe) müssen noch umfangreiche Umwandlungsschritte mit ebenfalls geringen Wirkungsgraden erfolgen. Der Flächenertrag vom Anbau bis zur Endanwendung ist daher die entscheidende Kenngröße.
-Um biogene Ressourcen herrscht der größte Konkurrenzdruck aller nachhaltigen Energieformen. Sie sind sowohl vom Nahrungssektor als auch von anderen Industriezweigen (z.B. Papierindustrie) nachgefragt. Der Nutzung von Abfallstoffen (Müll), Nebenprodukten (Stroh) und wenig nachgefragten Ressourcen (Algen, Gras) kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu.
-Biogene Ressourcen haben üblicherweise geringe Transportdichten und hohe Wassergehalte. Damit wird ihr Transport (und auch ihre Konditionierung/Trocknung) zu einem wesentlichen Faktor in der Nutzungskette. Generell kann die Regel aufgestellt werden: je geringer die Qualität der Ressource, desto dezentraler ihre Nutzung. Ein verstärkter Einsatz biogener Ressourcen würde daher eine wesentliche Veränderung unserer Logistik und damit unserer Wirtschaftstruktur darstellen.
16:30-18:30 Vorträge
„Klimawandel: aktuellste Erkenntnisse, Szenarien, Ausblicke“
Drei führende Wissenschaftler des Grazer Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel erläutern die Ursachen des Klimawandels, dessen sich bereits entfaltende Folgen auf globalem, regionalem und lokalem Level sowie mögliche Zukunftsszenarien. Die Vorträge sollen ein grundlegendes Verständnis der Thematik ermöglichen und einen Einblick in das spannende Feld der Klimawissenschaft gewähren.
16:30-17:10 Vortrag und Fragerunde
“Klimawandel – Lektionen aus der Vergangenheit und Perspektiven für die Zukunft”
Ulrich Foelsche (Stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe „Atmospheric Remote Sensing and Climate System” am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel)
Untersuchungen des Klimas der Vergangenheit zeigen uns einerseits die natürlichen Ursachen für Klimaänderungen (die neben dem Einfluss des Menschen weiter laufen), andererseits zeigen sie uns, wie das Klimasystem unter bestimmten Bedingungen schon reagiert hat. Als es z.B. das letzte Mal dauerhaft über 2°C wärmer war als heute, lag der Meerespiegel um etwa 6 m höher, da das Eis in Grönland und in der Westantarktis z.T abgeschmolzen war.
Natürliche Klimaänderungen laufen meist relativ langsam ab. In den (wenigen) Fällen, in denen sich das Weltklima so schnell verändert hat, wie wir es für die nahe Zukunft im schlimmsten Fall erwarten müssen, war die Biosphäre davon sehr deutlich betroffen.
17:10-17:50 Vortrag und Fragerunde
“Im Jahrhundert des Klimawandels: Wie ändert sich das globale Klima und was tun?”
Gottfried Kirchengast (Leiter des Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel und Leiter des „Climate and Environmental Change Research and Monitoring Programme“)
Wohin wandelt sich das Klima im 21. Jahrhundert? Was haben wir seit dem Weltklimabericht 2007 bis jetzt weiter dazugelernt und welche Sicherheit haben mittlerweile unser wissenschaftliches Wissen und unsere Zukunftsszenarien? Was ist der Worst Case und können wir andererseits vielleicht noch auf ein Wunder hoffen, auf irgendetwas bisher Übersehenes?
Es wird einen Einblick in den hoch spannenden aktuellen Wissensstand geben und dazu, wie unsere Zukunft von der weiteren Entwicklung unserer Treibhausgas-Emissionen abhängt.
Welche Rolle spielen wir Menschen als Hauptverursacher_innen, als Betroffene und vor allem auch als aktive künftige Mitgestalter_innen – verstärkend oder
bremsend – des weiteren Klimawandels? Was ist notwendig, um den Klimawandel auf das Maß von etwa 2°C globaler Erwärmung zu begrenzen, das wir für eine zukunftsfähige weitere Erde-Mensch-Beziehung tunlichst einhalten sollten? Ein Maß, das wir schon seit fast 20 Jahren kennen; warum haben wir nicht ausreichend reagiert?
17:55-18:30 Vortrag und Fragerunde
“Die Zukunft des Klimas in Österreich – Was wissen wir und wie groß sind die Unsicherheiten der Klimaszenarien?”
Andreas Gobiet (Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel, Leiter der Forschungsgruppe ReLoClim – Regionale und Lokale Klimamodellierung und -analyse)
Die Frage nach der zukünftigen Entwicklung des Klimas und nach den regionalen Ausprägungen des Klimawandels ist heute ein viel diskutiertes und intensiv beforschtes Thema: Einerseits ist es nötig über den regionalen Klimawandel verlässlich Bescheid zu wissen, um sinnvolle Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrastegien entwerfen zu können, andererseits stecken gerade in den regionalen Details der Klimaszenarien nach wie vor viele Unsicherheiten.
Ziel dieses Vortrags ist es, einen Überblick über den Stand des Wissens über die zu erwartende Klimaänderung in Österreich zu geben, wobei insbesondere auf die Verlässlichkeit der Szenarien eingegangen und ein Einblick in die Methoden der Klimamodellierung gegeben wird.
19:00-21:00 Podiumsdiskussion
„Wie groß ist die Gefahr Klimawandel? Wie sollen wir ihr begegnen?
Eine Debatte zwischen Natur-, Politikwissenschaft und Zivilgesellschaft“
Mit: Ulrich Foelsche (Wegener Zentrum), Kristina Dietz (FU Berlin) und Tadzio Müller (Climate Justice Action, Turbulence)
Die naturwissenschaftlichen Fakten sind seit Jahren ausreichend klar. Der menschengemachte Klimawandel ist eine große Bedrohung. Obwohl uns die Zeit davonläuft, werden seitens der Politik jedoch nach wie vor keine angemessenen Maßnahmen eingeleitet, um dessen schlimmste Folgen abzuwenden.
Vor diesem Hintergrund gilt es dringend, den Dialog zwischen Klima- und Politikwissenschaft (und anderen Wissenschaften) zu intensivieren. Dieser muss dazu beitragen, die mit der Herausforderung Klimawandel verbundenen vielschichtigen Problemlagen besser zu verstehen und effektivere und gerechtere Gegenstrategien entwickeln zu können.
Es gilt dazu zuallererst auch, sich gegenseitig besser zu verstehen. Klimatolog_innen meinen des öfteren, dass die Einschätzungen von Politikwissenschaftler_innen falsch seien, weil sie die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel nicht ausreichend verstünden. Umgekehrt scheint es vielen Klimawissenschaftler_innen am Verständnis gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge und Dynamiken zu mangeln, weshalb auch sie zu fehlerhaften Einschätzungen bezüglich möglicher Auswirkungen des Klimawandels auf menschliche Gesellschaften kommen. Sinnvolle Aussagen darüber können entsprechend der Komplexität der Materie definitiv nur basierend auf inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit getroffen werden.
Vor allem auch auf die Frage, warum die Menschen nicht mehr Druck auf die politischen Entscheidungsträger_innen ausüben, sodass diese gezwungen wären, den nötigen sozial-ökologischen Wandel einzuleiten, und wie dies geändert werden könnte, müssten dringend Antworten gefunden werden. Gerade auch hierbei ist ein intensiver Dialog mit der Zivilgesellschaft unerlässlich.
21:30 Filmpräsentation / Ö-Premiere / ENG
“A Sea Change” (US/2009)
FREITAG 18.6.
12:00-15:00 Vernetzung / Movement Building
„Aufbau der Klimagerechtigkeitsbewegung in Österreich“
Inspiriert von der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit wollen wir uns auch in Österreich an deren Aufbau und Stärkung beteiligen.
Im Rahmen dieses ersten Treffens wollen wir zuallererst einmal sehen, welche Initiativen es hierzulande bereits gibt und was diese jeweils unter dem unterschiedlich interpretierbaren Begriff “Klimagerechtigkeit” verstehen. Im Anschluss daran werden wir diskutieren, was wir gemeinsam aufbauen bzw. in Angriff nehmen können. Es soll im Zuge des Kongresses dann weitere Treffen geben, um die Diskussion fortzusetzen und konkrete nächste Schritte zu vereinbaren.
Vor allem auch der Workshop mit Tadzio Müller am Sonntag, bei dem es um die Bewegungen in Großbritannien und Deutschland und deren Erfahrungen und mögliche Lehren für Österreich geht, soll unsere Bestrebungen fördern.
Im Rahmen des Abschlusspodiums
werden wir den Zustand der globalen Bewegung schließlich differenzierter betrachten und deren Perspektiven sowie mögliche Zukunftsszenarien diskutieren.
15:30-17:30 Vorträge und Diskussion
„Feeding the world and cooling down the earth – Landwirtschaft und Ernährung im Angesicht der Klima- und Energiekrise“
Mit: Irmi Salzer (ÖBV-Via Campesina Austria), Johann Kandler (Klimabündnis, u.a. Mitbegründer der Comissão Pastoral da Terra) und Christian Salmhofer (Klimabündnis)
Bereits heute leidet mehr als eine Milliarde Menschen an chronischem Hunger. Zehntausende verhungern jeden Tag. Gleichzeitig nimmt die Zerstörung wichtiger Ökosysteme durch die industrielle Landwirtschaft katastrophale Ausmaße an.
Beide Entwicklungen haben die selbe Ursache: ein globales Wirtschaftssystem, dessen Zweck es nicht ist, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen und den natürlichen Reichtum der Natur zu erhalten, sondern Profite zu maximieren.
Der (vom selben System verursachte) Klimawandel, verschärft die Ernährungskrise und Ökosystemzerstörung bereits heute – vor allem im globalen Süden. In Zukunft werden sich seine Auswirkungen massiv verstärken.
Auch Maßnahmen, die zur Minderung der Klimakrise beitragen sollten, wie etwa die mittlerweile enorme Ausmaße annehmende und weiter wachsende Produktion von Agrotreibstoffen, entfalten verheerende Wirkungen.
So müssen wir uns dringend die Frage stellen, wie und mit welchen Alternativen und Strategien wir diesen Entwicklungen entgegenwirken können.
Fest steht, dass das industrielle, enorm energieintensive und klimaschädliche Landwirtschaftssystem durch ökologisch und sozial verträgliche Produktionsweisen ersetzt werden muss.
17:30-19:00 Gemeinsames Abendessen
19:00-21:00 Panel Discussion / ENG
„Poverty, hunger, inequality, migration, war: climate change makes it all worse. What can we do about it?“
Nnimmo Bassey (Chair of Friends of the Earth International), Corinna Milborn (Author and journalist), Kristina Dietz (FU Berlin), Alexandra Strickner (Attac)
Heat waves and droughts, rising sea levels, flooding, changing monsoon patterns, ecosystem degradation, etc. – the impacts of climate change can already be felt – primarily in the global south. Poor people are always hardest hit.
Climate change increases hunger and inequality, leads to migration, intensifies social and political conflicts and causes wars. Together with our panelist Nnimmo Bassey, Corinna Milborn, Kristina Dietz and Alexandra Strickner we will take a closer look at the current situation:
How bad exactly is it already?
What roles do governments, corporations, international institutions such as the UN, the World Bank, the IMF and others play?
Which political and economic agendas worsen the crisis, which could help mitigate it?
How are people struggling to defend their livelihoods and communities?
And how can we achieve Climate Justice?
21:30 Filmpräsentation
„Die Biosprit-Lüge“ (DE/2009)
21:00 Open Space
Weiterführende Diskussionen, Gespräche, Vernetzung, Movement Building
SAMSTAG 19.6.
12:00-14:30 Crashkurse / Einführungen
„Klimapolitik“, „Klimaökonomie“, „Wachstumskritik“
Kristina Dietz’, Birgit Bednar-Friedls und Andreas Exners Vorträge bieten kompakte Einführungen in die Zusammenhänge von Klimawandel, Politik und Ökonomie sowie in die Problematik eines zu ständigem Wachstum gezwungenen Wirtschaftssystems auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen. Die Vorträge sollen ein besseres Verständnis der grundlegenden Problemlagen ermöglichen und die Einschätzung der Potentiale verschiedener Lösungsstrategien und gesellschaftlicher Alternativen erleichtern.
12:00-12:45 Vortrag und Fragerunde
„Klimapolitik“
Kristina Dietz (FU Berlin)
12:50-13:35 Vortrag und Fragerunde
„Klimaökonomie“
Birgit Bednar-Friedl (Wegener Zentrum)
13:40-14:25 Vortrag und Fragerunde
„Wachstumskritik“
Andreas Exner (Social Innovation Network)
15:00-17:00 Talks, Q&A, Discussion / ENG
„Cooking Continents: The Climate Crisis and Resistance in Africa and Latin America“
Nnimmo Bassey (Chair of Friends of the Earth International) and Johann Kandler (Klimabündnis, Co-founder of Comissão Pastoral da Terra, etc.)
Africa and Latin America are definitely among the places hardest hit by climate change. In both continents people are struggling to defend their livelihoods and communities, but the political and economic landscapes and therefore their potential to mitigate climate impacts, pursue sustainable solutions and build alternatives are very different.
In many African countries powerful corporations are still able to recklessly plunder natural resources and make huge profits in a neocolonial fashion while leaving the vast majority of people with nothing.
In quite a lot of Latin America countries the situation is different now. During the last decade (more or less) left wing governments have come to power, strong social movements have a substantial impact on policy decisions and countries are working together in alternative economic alliances such as “Alba” exchanging goods and resources motivated by solidarity not profit.
Nevertheless these governments’ policies are ambiguous when it comes to dealing with climate change. On the one hand some countries show strong leadership, on the other hand, for example, the Brazilian government supports destructive activities such as the expansion of the country’s huge soy industry and projects like mega-dams which have devastating impacts on ecosystems, climate and people.
Even governments like Bolivia’s – while championing the struggle for Climate Justice, hosting the huge “World People’s Conference on Climate Change and the Rights of Mother Earth” in April of this year – are forced to further extract destructive natural resources such as oil, gas, etc. for being able to fund their social and economic policies.
Nnimmo Bassey and Johann Kandler, who worked with various important grassroots movements in Brazil for 20 years and intimately knows the Brazilian reality, will explain the impacts of climate change on Africa’s and Latin America’s ecosystems and people and discuss their political, economic and social similarities and differences.
The debate will have a strong focus on the role of social movements, their strategies and future perspectives.
How could things turn out in the next decades and until the end of the century depending on if a business-as-usual or a Climate Justice scenario will unfold?
17:00-18:30 Gemeinsames Abendessen
18:30-21:00 Podiumsdiskussion
„It´s the economy…and politics, stupid!
(Wie) schaffen wir die im Angesicht der Klima- und Energiekrise nötige ökonomische und gesellschaftliche Transformation (und wohin kann uns diese führen)?“
Mit: Ulrich Brand (Universität Wien), Ines Omann (Sustainable Europe Research Institute), Tadzio Müller (Climate Justice Action, Turbulence), Andreas Exner (Social Innovation Network) und Andreas Türk (Wegener Zentrum, Joanneum Research)
Kann es gelingen, den Kapitalismus von seiner zerstörerischen neoliberal-fossilistischen Ausprägung in eine sozial-ökologisch sinnvoll und nachhaltig regulierte Form zu transformieren, die die Folgen des Klimawandels weitgehend einzuschränken vermag (wie es etwa das Konzept des „Green New Deal“ anstrebt), oder ist es nötig, eine grundlegend andere Ökonomie zu entwickeln?
Unter anderem weil einem, wie auch immer reguliertem, noch so „grünem“ kapitalistischen Wirtschaftssystem stets der uns auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen und Lebenserhaltungskapazitäten zwangsläufig auf eine Katastrophe zusteuernde Wachstumszwang inhärent ist, scheint letzteres wahrscheinlich.
In Anbetracht der derzeitigen Machtverhältnisse, der politischen Konstellationen und der fundamentalen Abhängigkeit der Wirtschaft von billigen fossilen Energieträgern (die bei gleichzeitig steigendem Bedarf in zunehmend geringeren Mengen zur Verfügung stehen) ist es wohl schwierig genug, in der der Dynamik des Klimawandels angemessenen Geschwindigkeit einen auf erneuerbaren Energieträgern basierenden „Grünen Kapitalismus“ zu etablieren. Das Durchsetzen einer grundlegend anderen Wirtschaftsweise erscheint auf den ersten Blick natürlich noch um einiges schwieriger.
In welche Richtung sich der zwingend nötige Wandel schließlich auch entwickeln soll, die Wiederherstellung des Primats der Politik über die Wirtschaft wird wohl die Voraussetzung dafür sein, das dieser überhaupt eingeleitet werden kann. Es stellt sich auf der Ebene der Nationalstaaten, aber nach wie vor vor allem auch auf UN-Level die Frage, wie dies bewerkstelligt werden könnte. Fest steht, dass der Kampf gegen die schlimmsten Folgen des Klimawandels ohne angemessene politische Regulierungen mit Sicherheit verloren gehen wird.
Vor diesem Hintergrund widmet sich das Podium der genaueren Analyse der aktuellen politischen und ökonomischen Zustände und Entwicklungen sowie möglichen Strategien zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse hin zu einer Konstellation, in der die Bedürfnisse der Menschen und damit die effektive und sozial gerechte Bearbeitung der Klimakrise die politischen Agenden bestimmen.
Die entscheidende Frage lautet wie bereits im Veranstaltungstitel vorweggenommen: „Wie schaffen wir die nötige Transformation und wohin kann uns diese führen?“
21:30 Filmpräsentation / ENG
”The Power of Community – How Cuba Survived Peak Oil” (US/2006)
21:00 Open Space
Weiterführende Diskussionen, Gespräche, Vernetzung, Movement Building
22:30 Konzert und Party (in Kooperation mit dem MOVE Festival)
Live: Crazy Bitch in a Cave [comfortzone], Goldsoundz [wilhelm show me the major label], Vikkake / DJs: Feelipa [disko404, cfsn], Simon/off [immerse, haunted audio], Wilhelm DJ Team [wilhelm show me the major label]
SONNTAG 20.6.
10:00-11:30 Workshop
“Ökologische Krise und post-neoliberale Strategien”
Ulrich Brand (Universität Wien)
Die sozial-ökologische Krise ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen multiplen Krise. Wie können die Zusammenhänge verstanden werden? Welche unterschiedlichen “postneoliberalen” Strategien gibt es, um einzelne Krisendimensionen oder die multiple Krise insgesamt zu bearbeiten? Prominent ist hier der Green New Deal. Was bedeutet das für emanzipatorische Strategien?
11:30-13:00 Workshop
“Energiewende: “Millions of Green Jobs” oder “Energy Commons”?“
Brigitte Kratzwald (Sozialwissenschaftlerin)
„Commons“ (Gemeingüter) bedeutet, dass lebensnotwendige Ressurcen gemeinsam genutzt werden, nach Regeln, die ihre Übernutzung verhindern. Commons müssen von den Nutzer_innen hergestellt und erhalten werden, sie stehen allen nach ihren Bedürfnissen zur Verfügung, können aber nicht verkauft werden. Kann mit diesem Konzept der Umstieg auf erneuerbare Energie zu einer grundlegenden Veränderung der Machtverhältnisse genutzt werden? Die Nutzung fossiler Energie vereint viel Macht und Geld in den Händen weniger Konzerne und fördert zentralistische Strukturen. Wenn die Kontrolle über die Energiequellen bei den Nutzer_innen bleibt, führt das nicht nur zu nachhaltigerer Nutzung, sondern verändert auch soziale Beziehungen und Produktionsverhältnisse. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch das „cradle-to-cradle“-Prinzip, das jedes Produkt gleichzeitig wieder als Ressource sieht und daher auch die in Produkten gebundene Energie in die Berechnungen mit einbezieht.
http://www.commons.at
13:00-14:30 Workshop
„Reclaim Power!?“ Die Klimaaktionsbewegung in Großbritannien und Deutschland und mögliche Lehren für Österreich”
Tadzio Müller (Climate Justice Action, Turbulence)
Tadzio Müller, der seit Jahren in den Bewegungen in Deutschland und Großbritannien aktiv und an diversen internationalen Mobilisierungen beteiligt ist, wird uns seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen näherbringen. Gemeinsam werden wir im Anschluss diskutieren, was wir hier in Österreich von bisherigen Erfolgen, Misserfolgen, Schwierigkeiten und Strategien lernen können und wie sich eine Bewegung möglichst effektiv, lustvoll und nachhaltig aufbauen lassen könnte.
15:00-18:30 Filme und Diskussion
„Transition Towns: Städte und Kommunen als Vorreiterinnen auf dem Weg in eine lebenswerte postkarbone Zukunft“
Mit: Ernst Schriefl (ecoPolicy-Lab, Powerdown), Christian Salmhofer (Klimabündnis), u.a.
Filmpräsentationen: „In Transition – from oil dependence to local resilience“ (UK/2009) – Ö-Premiere und “Curitiba: It’s Possible” (AT/2008)
Unter dem Eindruck zweier äußerst inspirierender Filme werden wir darüber diskutieren, welche Rolle kommunale, vor allem von uns Bürger_innen ausgehende Initiativen bei der im Angesicht der Klima- und Energiekrise nötigen sozial-ökologischen Umgestaltung spielen können.
Haben Städte gar eine Vorreiterinnenrolle, wenn es darum geht, das Ruder in Sachen (effektiver und sozial gerechter) Klimaschutz doch noch herumzureissen?
Die Errungenschaften bereits bestehender Projekte (auch jener in Österreich) werden ebenso Thema der gemeinsamen Diskussion sein, wie deren Widersprüchlichkeiten und Defizite sowie die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind.
Die Fragen, denen wir vor allem auch nachgehen werden, lauten: Was unterscheidet eine Stadt wie Graz von den Vorzeigestädten der Filme, Totnes und Curitiba? Liegen die entscheidenden Unterschiede in der Mentalität der Bürger_innen und Politiker_innen, in den verschiedenen sozialen, ökonomischen und politischen Strukturen…oder fehlt lediglich ein zündender Funke, um eine umfassende positive Entwicklung in Gang zu bringen? (Wie) könnte Graz doch noch zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden?
18:30-20:00 Gemeinsames Abendessen
20:00-22:00 Abschlusspodium
„We need a massive movement! Die globale Klimabewegung, ihre aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven“
Mit: Tadzio Müller (Climate Justice Action), Irmi Salzer (ÖBV-Via Campesina Austria) und Franziskus Forster (Attac)
Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, wurden positive gesellschaftliche Veränderungen (wie etwa die Abschaffung der Sklaverei, arbeitsrechtliche und sozialstaatliche Errungenschaften, Geschlechtergerechtigkeit, Bürger_innenrechte, uvm.) kaum jemals freiwillig von den herrschenden Eliten eingeleitet, sondern stets von sozialen Bewegungen erkämpft. Hoffentlich wird dies auch heute – in einer entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte – im Falle der Klimagerechtigkeit gelingen.
In Anbetracht des Scheiterns des UN-Klimaprozesses (mit dem Tiefpunkt Kopenhagen) und der völlig unzureichenden und verfehlten klimapolitischen Agenden der entscheidenden Nationalstaaten, die im Sinne der kurzfristigen Profitinteressen der ökonomisch mächtigen Akteure gestaltet sind, scheint es so, als könnte die globale Klimabewegung unsere vielleicht letzte Hoffnungsträgerin sein.
Diese in unzähligen lokalen Kämpfen weltweit aktive „Bewegung der Bewegungen“ wurde im Zuge der Proteste und des Alternativgipfels in Kopenhagen sowie der erfolgreichen “Weltkonferenz der Völker über Klimawandel und Rechte der Mutter Erde” in Cochabamba/Bolivien, an der im April dieses Jahres 35000 Aktivist_innen aus 142 Ländern teilnahmen, zum ersten Mal massiv sichtbar. Unter dem Banner der „Klimagerechtigkeit“ (Climate Justice) vereint, stellt sie die fatale Politik der Regierungen bloß, delegitimiert deren falsche (technologiefixierte, marktförmige und letztlich immer profitorientierte) Lösungen und propagiert tatsächlich sinnvolle, sozial gerechte Alternativen. Mit Forderungen wie „Leave the oil in the soil!“ stellt sie unmissverständlich klar, dass der Klimawandel an dessen Wurzel bekämpft werden muss.
Kann eine solche Bewegung so mächtig werden, dass es ihr (vielleicht in Allianz mit progressiven Regierungen, Parteien, Städten und anderen Akteur_innen) gelingen kann, ausreichend starke, effektive und sozial gerechte Klimaschutzmaßnahmen durchzusetzen?
Um uns der Beantwortung dieser Frage annähern zu können, werden wir einen differenzierteren Blick auf die derzeitige Verfasstheit der Bewegung werfen. Vor allem werden wir auch diskutieren, was sie aus den Erfahrungen historischer Bewegungen und vor allem auch jenen der globalisierungskritischen Bewegung lernen kann und mit welchen Strategien sie erfolgreich agieren könnte.
Zu guter Letzt werden wir uns darüber austauschen, welche nächsten Schritte getan werden können, um die Bewegung zu stärken und auszuweiten, welche konkreten Mobilisierungen anstehen, wie wir uns daran beteiligen können und was wir hier bei uns zu Hause in Angriff nehmen können.
22:00 Open Space:
Weiterführende Diskussionen, Gespräche, Vernetzung, Movement Building
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